Ra’s al-Chaima – von Piraten, die den Orient erobern wollten

Die Vereinigten Arabischen Emirate bestehen aus 7 Emiraten, die sich zu einem Bündnis zusammengeschlossen haben. Eines dieser Emirate ist Ra’s al-Chaima. 1972 als letztes Emirat der Vereinigung beigetreten hat Ra’s al-Chaima eine andere Geschichte und andere Reize zu bieten, als die bekannteren Mitglieder der Vereinigten Arabischen Emirate wie Dubai oder Abu Dhabi.

Piraten des Indischen Ozeans

Die Hauptstadt des Emirates Ra’s al-Chaima-Stadt wurde im 18. Jahrhundert von dem Stamm der Qawasim gegründet. Das Fischerdorf erhielt damals den Namen des Stammes. Es diente als Anlaufhafen für Seeräuber und Piraten aller Art. Die Qawasim selbst zählten zu den erfolgreichsten und gefürchtetsten Seeräubern der Region. Die persische Südküste wurde praktisch von ihnen beherrscht. Bis die Briten kamen und die Piraterie in der Region eine Gefahr für den britischen Handel mit dem Oman und damit für den Zufluss von Gewürzen und anderen exotischen Handelswaren nach London wurde. Das führte zu einer militärischen Auseinandersetzung, in der die Qawasim den Kürzeren zogen. Ra’s al-Chaima fiel unter den Einfluss der englischen Krone.

Vom Piratennest zur Touristenhochburg

Erst 1971 erlangte Ra’s al-Chaima wieder die Unabhängigkeit von Großbritannien. In der Folge wuchs die Hauptstadt des Emirates mit den Jahren immer rasanter. Heute leben 80% der Bevölkerung des Emirates in Ra’s al-Chaima-Stadt. Haupteinnahmequellen der Menschen sind der Tourismus und die Landwirtschaft. Denn anders als in den anderen Emiraten ist Ra’s al-Chaima verhältnismäßig fruchtbar. Das liegt an den regelmäßigen Regengüssen im Hadschar-Gebirge, das im Hinterland von Ra’s al-Chaima liegt. Durch das Wasser, das aus den Bergen in die Ebenen fließt, ist der Grundwasserspiegel in dieser Region höher, als in der Gegend üblich. So hat hier eine abwechslungsreiche Vegetation die besten Voraussetzungen zu gedeihen und auch Landwirtschaft kann betrieben werden.

Ra’s al-Chaima hat einen guten Weg gefunden, mit seiner Geschichte und seiner Gegenwart im Einklang zu bleiben. Die Stadt selbst ist bis 1990 unkontrolliert gewachsen, was ein anderes Stadtbild ergibt, als man es aus Dubai beispielsweise kennt. Erst seit 1990 sind die Stadterweiterungen im Rahmen übergeordneter Städteplanungen vorangetrieben worden. Damit sieht Ra’s al-Chaima-Stadt nicht wie eine am Reißbrett geplante Großstadt aus, sondern wie eine über die Jahrzehnte gewachsene. Das macht den für die Gegend einzigartigen Charme dieser Metropole aus.

Auch wenn hier „nur“ 200.000 Menschen leben, hat Ra’s al-Chaima-Stadt für Touristen eine Menge zu bieten. Moderne Einkaufsmöglichkeiten, traditionelle Basare, ein tolles Nationalmuseum im alten Fort oberhalb der Stadt und wunderschöne weiße feinsandige Strände. Wer die Glitzerwelt der Emirate Welt einmal mit etwas anderen Augen sehen möchte, sollte Ra’s al-Chaima unbedingt einen Besuch abstatten.